Wein steht für Freude

Impuls zur Meditation von Carsten Albrecht, Stadtkloster Segen Berlin

Kohelet / Prediger 9,7
Geh hin, iss dein Brot mit Freude und trink deinen Wein mit frohem Herzen!

„Spar deinen Wein nicht auf für morgen, sind Freunde da, so schenke ein“, singt
Gerhard Schöne (https://www.youtube.com/watch?v=uDxOnwrVAx0). Jesus hat in seinem Abendmahl mit den Jüngern Wein getrunken. Dabei ging und geht es nicht um Alkoholismus, sondern um das, wofür der Wein symbolisch steht: Das Festliche, die Freude, das Besondere. Nicht umsonst heißt es, dass Jesus Wasser in Wein verwandelt hat (Joh 2, 1 – 12). Jesus teilt das Leid mit uns, aber er teilt auch die Freude mit uns – auch in der Freude will er unter uns gegenwärtig sein.

In der Liturgie des Abendmahles heißt es:
Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns den Wein, die Frucht des Weinstocks und der menschlichen Arbeit. Wir bringen diesen Kelch vor dein Angesicht, damit er uns der Kelch des Heiles werde.

Damit es zum Fest kommen kann, der Wein getrunken werden kann, braucht es die Zusammenarbeit zwischen Gott und Mensch. Der Wein ist die Frucht des Weinstockes, ein Werk Gottes. Der Wein ist aber auch die Frucht der menschlichen Arbeit, der Weinbauern und Winzerinnen und Händler. Gott und Mensch arbeiten zusammen und daraus entsteht ein Fest. Woher kenne ich das aus meinem Leben? Bei manchen Weinsorten muss man genau hin-schmecken und den Geschmack lange wirken lassen, um seinen wirklichen Wert zu erkennen. So kann es auch in der Meditation oder im Gebet gehen: Wir dürfen Gottes Ja zu uns, Gottes Liebe in uns wirken lassen und sollen genau hin-fühlen und hin-schmecken, um etwas von seiner Tiefe erahnen zu können.

 

An welchem Weinberg kann ich mitarbeiten, damit festlicher Wein entstehen
kann?
Wo bin ich einfach nur beschenkt und muss nichts dazu tun?
An welches Fest erinnere ich mich besonders gerne und warum?

 

Der Priester und Schriftsteller Wilhelm Willms (1930 – 2002) hat dieses Gedicht geschrieben:

Gott,
einmal muss das fest kommen
bei dem wir insgesamt
uns auftischen
als speise einer dem andern
als wein uns darreichen einer dem andern
das fest der großen trunkenheit
das fest der großen einigkeit
das fest der großen vielfalt

 

Carsten Albrecht

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