Dankbarkeit

In den letzten Wochen erlebte ich immer wieder Tage, an welchen ich abends das Gefühl hatte, nichts geschafft zu haben. Das schmutzige Geschirr stapelte sich, der Küchentisch war bis zur Hälfte mit Post, Spielzeug und andrem Krimskrams übersäht und in jedem Zimmer unserer Wohnung traf ich auf angefangene Projekte. Da sollten zu kleine Kinderkleider aussortiert werden und dort hing immer noch die halbe Weihnachtsdeko an der Wand. Nach solchen Tagen ist meine Stimmung irgendwo im Keller und Unzufriedenheit macht sich breit.

Ein Thema, welches mir in der Vergangenheit immer wieder begegnet ist, ist die Dankbarkeit. In Büchern, Psalmen und Berichten stolperte ich darüber. Irgendwann entdeckte ich, dass ich nicht gleichzeitig dankbar und unzufrieden sein kann. Oder anders ausgedrückt, dass die Dankbarkeit meine Unzufriedenheit vertreibt. So wurde es zu einer Übung für mich, in mühsamen Zeiten eine Dankesliste zu schreiben. Die Liste half mir schon oft, meinen Sinn für die vielen guten Momente zu schärfen, die es neben den mühsamen immer gab.

Im Moment bin ich kein schreibender Mensch. Im Alltag mit kleinen Kindern schreibe ich höchstens Einkaufslisten. Ich übe mich darin, schöne Momente dennoch wahrzunehmen und Gott danke zu sagen dafür. Wenn ich draussen bin und die Natur erlebe, fällt es mir leicht dankbar zu sein.

So war es dann auch die Natur, die meine Stimmung in den letzten Wochen immer wieder aufhellte. Ich musste dafür nicht einmal vor die Tür. An einem regnerischen Wintertag hatte mein Mann eine Vogelfutterstation vor unserem Fenster eingerichtet. Es handelte sich um ein Vater-Sohn-Projekt und unser kleiner Sohn wartete gespannt auf die ersten Vögel. Nachdem über einen Monat nichts geschah, überlegten wir uns schon das Futtersäckchen wieder weg zu nehmen. Doch siehe da, eines Morgens als ich in die Küche schlurfte, sass eine Blaumeise draussen vor unserem Fenster. Ich staunte über diesen kleinen Vogel mit den blauen Federn. Die Blaumeise muss Werbung für unsere Futterstation gemacht haben. Wir konnten in den nächsten Wochen täglich Meisen beim Kernen picken beobachten. Es war schön gemeinsam mit unserem Sohn die Vögel aus der Nähe beobachten zu können und seine kindliche Freude war ansteckend. Danke Gott!

Anja Marti

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